Einzelexerzitien #2

Der Zweite Tag meiner Exerzitien ist nun fast zu Ende. Es war doch alles in allem ein interessanter Tag, der mich mit Emotionen und Gedanken gefordert hat. Was den Tagesbeginn anbelangt, so war ich schon um 05:00 wach, Betete dann mein Morgenlob (Laudes) um für einen guten Tag zu bitten. Parallel zu dieser Dokumentation meiner Exerzitien=geistliche Übungen, kam gestern Abend noch der Gedanke, die Erlebnisse am Sterbebett meiner Mutter zu erzählen, auch was die Emotionen und Gefühle angeht. Die ersten Zwei Episoden sind nun bereits hier im Blog unter der Kategorie „Trauer“ eingestellt, wer es lesen mag, würde ich mich auch freuen, vielleicht hilft es dem einen oder anderen bei der Verarbeitung ähnlicher Erlebnisse. Die geistlichen Übungen können hier auch vielfältig ausfallen und sind nicht nur rein auf das Gebet oder lesen eines biblischen Textes mit anschließender Kommentierung auszulegen. Was aus meiner Sicht wichtig ist, dass das ganze Vorhaben von einem geistlichen Begleiter begleitet wird, der auch noch Hinweise und Anregungen geben kann, wenn man nicht weiterweiß. Das Sichten und Aussortieren von persönlichen Dokumenten gehörten hier auch dazu. Warum? Offene Fragen lösen sich beim Studieren von manchen persönlichen Briefen oder Tagebüchern fast wie von selbst. Nein es geht hier nicht darum in Tagebüchern besonders intime Dinge zu lesen – was hier auch nicht der Fall war – sondern Lebenserfahrungen mit anderen Augen sehen. Dies war nach dem Frühstück meine Übung, die ich bis zum Mittagessen souverän gelöst habe und schlussendlich viele Dinge auch aussortieren konnte und in die Mülltonne kippen.

Mittagessen ist immer etwas besonders. Egal ob man sich etwas frisch zubereitet, oder TK Essen verwendet. Heute war es nochmals frisches zubereitet. Es ist auch eine Art von Harmonie, die entsteht, wenn man das Essen in Ruhe zubereitet, anrichtet und dann nach einem kurzen Dankgebet zu sich nimmt. Der obligatorische Verdauungskaffee gehört dann auch dazu.
Nach dem Mittagessen fuhr ich zum Friedhof, um hier meiner Mutter die Losungen vorzulesen und habe mich gefreut, dass jemand eine Kerze zur bestehenden von mir dazugestellt hat. Das Blumenherz von der Beerdigung ist auch noch ansehnlich, wie das Beitragsbild beweisen mag. Eigentlich wäre heut ein guter Tag gewesen, um spazieren zu gehen, aber ich bin nur über den Friedhof gegangen, habe mir vereinzelt Gräber angeschaut und viele Menschen wiedergefunden, die ich noch gut zu ihren Lebzeiten gekannt habe. Auch daran sieht man, wie die Zeit vergeht und nach dem Leben, die Ruhestätte auf dem Friedhof folgt.

In der Bibel habe ich heute die ersten beiden Kapitel aus dem Buch Jeremia gelesen, in dem es zu Beginn in der Berufung des Propheten um die Aussage von Gott geht, dass er den Propheten schon gesehen und auserwählt hat, bevor er im Mutterleib geformt war. Eine perfekte Planung des Lebens. Im neuen Testament habe ich die beiden ersten Kapitel vom Lukas Evangelium gelesen, wo es auch um das kommende Leben von Johannes dem Täufer und Jesus von Nazareth ging. Auch in der Grußformel des Engels Gabriel „Sei gegrüßt du Begnadete, der Herr ist mit Dir!“ lässt sich schon der Anfang des Ave Maria (gegrüßet seist Du Maria) erkennen, habe dies markiert und am Rand vermerkt. Im Buch, dass ich für die Exerzitien ausgewählt hatte (von Anselm Grün) habe ich 2 Kapitel gelesen und über die Angst beim Anblick auf die Erde (Jesaja 8,22) meinen Impuls gefunden. Warum, es hat mich berührt, da dort auf den 19. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center hingewiesen wurde und die schrecklichen Bilder, dies sich dann auch wieder in meinem Kopfkino abspielten. Ja es war schrecklich und jeder hatte Angst, so wie man heute Angst vor einen Krieg hat, der kommen könnte und der ohne Sieger enden würde. Ja was hat das nun mit meiner Trauer zu tun? Zunächst nicht viel, könnte man sagen, aber eine Art von Angst habe ich immer dann verspürt, wenn meine Mutter sehr krank war und man vom schlimmsten ausgehen konnte. Gott hat sie dann doch wieder gesunden lassen, da es noch nicht an der Zeit war. Auch wenn andere liebe Menschen schwer krank waren, hat mich diese Angst befallen. Ich fühlte aber – und das ist mir in den letzten Wochen klar geworden – immer etwas in mir, das mir im Herzen Mut gab und meine Angst dann weggenommen hat. Es war Jesus Christus, der in meinem Herzen Platz genommen hat.
Jesus, der unsichtbar meinen Weg – und auch von uns allen – begleitet und mich spüre lässt, dass ich nie allein bin. Denn strenggenommen, bin ich allein in einem Haus. Niemand ist bei mir, aber dennoch bin ich nicht allein.

Bevor es zum Abendessen ging, folgte das Abendlob (Vesper) in dem ich für den Tag dankte und um eine gute Nacht bat. Nach dem Abendessen – es gab Rührei mit Zwiebeln, Fleischkäse klein geschnitten und Toast – wollte ich mir dann noch kurz was im Fernsehen anschauen, da habe ich noch eine SMS von einem guten Bekannten erhalten, der mit mitteilte, dass seine Tante mit einem leichten Schlaganfall im Krankenhaus ist und mich gebeten hat, ihr einen Krankenbesuch abzustatten, da er und seine Mutter (die Schwester) aktuell nicht reindürfen. Ich versprach ihm, dass ich das versuche, zumal ich seit gut 3 Jahren die Dame regelmäßig zur Kirche und zur Beichte begleitet habe, und für sie ihr Beistand bin.

Im Nachgebet werde ich sie nun mit aufnehmen und die Genesung Jesus Christus empfehlen.

Ende des 2. Tages….

Author: alex-aaron

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