Traurigkeit

Heute ist ein nicht so schöner Montag, vom Pflegeheim, in dem meine Mutter seit 2019 lebt, bekam ich heut Morgen den Anruf, dass der Notdienst vor Ort ist, weil sie nicht mehr ansprechbar vorgefunden wurde. Man fragte mich nun, ob sie ins Krankenhaus verbracht werden soll?! Die Entscheidung, die ich zu treffen hatte, war schwer, aber irgendwie auch leicht. Meine Mutter wollte, nicht mehr ins Krankenhaus und auch keine lebensverlängernden Maßnahmen, wenn die Zeit kommen würde. Was dann folgte, hat mir den Boden unter den Füßen fortgerissen. Ich solle eine Palliativ Verordnung beim Hausarzt abholen, die man beantragen würde. Da wusste ich, dass nun der letzte Spaziergang auf Erden begonnen hat, für meine Mutter.

Ich war verletzt, traurig und irgendwie auch hilflos, fühlte ein paar Augenblicke später eine unsichtbare Hand, die mich führte und im Herzen Jesus, der mich trösten wollte. Es war klar, dass es irgendwann kommen würde, aber es ist immer der falsche Zeitpunkt.

Gegen Mittag kam ich dann im Pflegeheim an und durfte nach Schnelltest hoch aufs Zimmer. Bevor ich ins Zimmer durfte, hat man mich noch „vorbereitet“, so dass ich die nächsten Stunden… Tage mehr begreifen konnte. Auch hat man mir nochmals mitgeteilt, dass meine Mutter im Sterben liegt und dies ein nicht aufzuhaltender Prozess ist. Was denkt man in dieser Situation? Da liegt die eigene Mutter in ihrem Bett, schwer atmend und laute gebend, und hat die Augen nur kurz offen, wenn jemand ans Bett kommt. Warum jetzt? Wie lange dauert es? Hat sie Schmerzen? Was kann ich tun? So viele Fragen gehen einem durch den Kopf. Aber es sind wichtige Fragen!

Was ich an diesem und den darauffolgenden 3 Tagen wahrgenommen habe, dass meine Mutter warme Hände hatte, immer wieder „Durst…“ gerufen hat und mit einer Pipette Flüssigkeit bekommen hat. Selbst trinken mit einem Becher war schon nicht mehr möglich, da das Schlucken nicht mehr richtig funktionierte und sie sich immer wieder verschluckte, was zu einem Hustenanfall führte, der hier auch für mich schlimm war. Ich habe mir dann auch ab Mitte der Woche frei genommen, um an ihrem Bett zu sein und nicht immer wieder meine Arbeit zu unterbrechen. Es wäre eh nicht möglich gewesen, zu arbeiten, wenn man nicht genau weiß, wie lange der Kampf dauern wird. Ja es ist ein Kampf, der stattfindet. Der Kampf mit dem Tode, den der Mensch dann immer verliert, bis wir dem Glaubensbekenntnis nach, bei der Wiederkehr von Jesus Christus auferweckt werden von unserem Schlaf.

Habe immer wieder gehört, dass ich stark sei, so wie meine Mutter. Aber wer gibt uns diese Stärke? Gott schenkt uns Kraft, Energie und Mut, damit wir stark genug dafür sind, unsere Eltern beim letzten Spazier-gang zu begleiten. Aber es gibt auch Situationen, wo wir nicht stark dafür sind, hier tröstet Gott dann den sterbenden und den Hinterbliebenen liebevoll. Denn Gott blickt in unser Herz, er kennt uns noch bevor wir geboren sind.

Wie lange nun der „Spaziergang“ meiner Mutter bis zur Tür in die andere Welt dauern wird, weiß ich noch nicht…

Author: alex-aaron

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